I. Definition

Das Knochenmark ist das blutbildende Organ des Körpers.

=> Erythrozyten, Leukozyten & Thrombozyten

 

Lokalisation

  • lange Röhrenknochn
  • Becken
  • Sternum

 

II. Die hämatopoetische Stammzelle

=> Ausgangspunkt aller Zellen = pluripotente Zelle

  • kann sich selbst erneuern
  • kann sich in alle Blutzellen differenzieren

 

III. Differenzierung in 4 Hauptlinien

  1. Erythropoese
  2. Granulopoese
  3. Megakaryopoese -> Thrombozyten
  4. Lymphopoese

 

IV. Reifung

Grundprinzip

  • Zellkern wird dichter & kleiner
  • Zytoplasma verändert sich
  • Funktion entsteht

=>viele unreife Zellen und Entwicklungsstufen vorhanden

 

V. Morphologie im Knochenmark

Was beurteilt man im Knochenmark

  1. Zellularität (Zellreichtum) -> Wie „voll“ ist das Knochenmark?
  2. Zellverteilung -> Welche Zellreihen dominieren?
  3. Reifung -> Besteht eine normal Entwicklung der Zellen?

 

1. Zellularität 

  • Feststellung ausgewogener/physiologischer Zellpopulationen

 

Anomalien

  • Hyperzellulär -> zu viele Zellen, z.B.: bei Myeloproliferativen Neoplasien (MPN) oder Leukämien
  • Hypozellulär -> zu wenige Zellen, z.B.: bei aplastischer Anämie oder Knochenmarksversagen

 

2. Zellverteilung

M:E-Ratio

  • Verhältnis der myelosichen Zellen (M) zu den erythroiden Zellen (E)
  • Normalwert M:E = 3:1
  • M:E ↑ => mehr Granulopoese, z.B: bei Infektionen oder CML
  • M:E ↓ => mehr Erythropoese, z.B.: bei Anämie (kompensatorisch)

 

3. Reifung

  • alle Reifungsstufen vorhanden & gleichmäßige Übergange

 

Anomalien

  • Reifungsstopp -> viele Blasten, z.B.: bei Leukämien (ALL oder AML)
  • Dysplasien -> abnorme Zellformen, z.B.: beim Myelodysplastischen Syndrom (MDS)

 

VI. Pathologie

1. Leukämien

=> Grundlage ist ein Reifungsstopp

  • viele Blasten & kaum reife Zellen
  • Knochenmark ist hperzellulär

Beispiele: ALL oder AML

 

2. Myeloproliferative Neoplasien (MPN)

=> Überproduktion reifer Zellen

  • viele Zellen
  • oft reif
  • evtl. Linksverschiebung

Beispiele: CML, Polycythaemia vera, Essentielle Thrombozythämie oder Myelofibrose

 

3. Myelodysplastisches Syndrom (MDS)

=> fehlerhafte Zellbildung

  • bizarre Zellformen
  • Dysplasien in allen Reihen
  • ineffektive Hämatopoese

 

VII. Warum ist das als MTL wichtig zu wissen?

=> Das Blut ist der Spiegel des Knochenmarks

  • im Blutbild lassen sich indirekt Rückschlüsse auf das Knochenmark ziehen

 

Beispiele

  • Retikulozyten ↑ -> Knochenmarksaktivität ↑ -> Regeneration?
  • Retikulozyten ↓ -> aplastische Anämie oder MDS?
  • Blasten im peripheren Blut -> Knochenmark gestört -> Leukämie?
  • Linksverschiebung -> vermehrt frühe Granulozyten -> Infektion oder Entzündung?
  • Anisozytose/Poikilozytose -> gestörte Erythropoese -> MDS oder Anämie?
  • Thrombozyten ↓ -> Produktionsprobleme
  • Riesenthrombozyten -> gesteigerte Produktion -> MPN oder Regeneration?

 

=> als MTL werden KEINE DIAGNOSEN gestellt, dennoch sollte man ein Verständnis für Laborwerte entwickeln, um sie auf ihre Schlüssigkeit prüfen zu können

=> Ausnahme: Ringerversuch – manuelles Differentialblutbild, da darf/soll eine Verdachtsdiagnose gestellt werden