Granulozyten

Zellreihe

I. Myeloblast

Mikroskopisches Bild

  • große, unreife Zelle
  • sehr hoher Kern-Zytoplasma-Quotient
  • großer, runder Zellkern
  • feines, lockeres Chromatin
  • deutlich sichtbare Nukleolen
  • keine oder kaum Granula

 

Morphologie

Zellgröße

  • ca. 15–20 µm
  • vergleichbar mit oder etwas kleiner als Promyelozyt
  • deutlich größer als reife Leukozyten

Zellkern

  • rund bis oval
  • nimmt den Großteil der Zelle ein
  • feines, netzartiges Chromatin
  • 1–4 große Nukleolen
  • glatte Kernkontur

Zytoplasma

  • schmaler Zytoplasmasaum
  • hellblau bis basophil
  • Homogen
  • keine Vakuolen

Granulation

  • keine oder nur sehr wenige azurophile Granula
  • keine spezifische Granulation

 

Klinische Bedeutung

Auftreten bei:

  • akuten myeloischen Leukämien
  • massiver Knochenmarksinsuffizienz
  • leukämischen Erstmanifestationen

II. Promyelozyt

Mikroskopisches Bild:

  • sehr große Zelle
  • großer, meist runder Zellkern
  • lockeres Chromatin
  • oft Nukleolen sichtbar
  • sehr grobe, dunkle Primärgranula im Zytoplasma

 

Morphologie

Zellgröße

  • ca. 18–25 µm
  • deutlich größer als:
  1. Myelozyt
  2. Metamyelozyt
  3. Monozyt

=> Größte Zelle der neutrophilen Reihe (außer Blasten)

Zellkern

  • rund bis leicht oval
  • groß, zentral oder leicht exzentrisch
  • feines, lockeres Chromatin
  • 1–3 Nukleolen häufig sichtbar

Zytoplasma

  • Breit
  • intensiv basophil (blau-violett)
  • oft ungleichmäßig gefärbt

Granulation

  • Primärgranula (azurophil!)
  • Grob
  • rötlich-violett bis dunkel
  • zahlreich, dominieren das Zellbild

=> Kein Myelozyt hat solche Granula!

 

Klinische Bedeutung

Auftreten bei:

  • schweren leukämischen Erkrankungen
  • massiver Knochenmarksschädigung
  • akuter myeloischer Leukämie
  • leukämoiden Reaktionen

Sonderfall

  • Promyelozyten mit extrem dichter Granulation können Hinweis auf:akute Promyelozytenleukämie sein
  • hohe Blutungsgefahr durch Gerinnungsstörungen

III. Myelozyt

Mikroskopisches Bild

  • große, rundliche Zelle
  • runder bis leicht ovaler Kern
  • keine Kernsegmentierung
  • relativ viel Zytoplasma
  • feine neutrophile Granulation deutlich sichtbar

=> Der Myelozyt ist die erste Zelle mit spezifischer (neutrophiler) Granulation

 

Morphologie

Zellgröße

  • ca. 15–20 µm
  • deutlich größer als segment- und stabkernige Neutrophile
  • oft ähnlich groß oder größer als Monozyten

Zellkern

  • rund bis leicht oval
  • glatt begrenzt
  • noch keine Einbuchtung
  • Chromatin feiner als beim Metamyelozyten, aber dichter als beim Promyelozyten
  • keine Nukleolen sichtbar

Zytoplasma

  • relativ breit
  • hellrosa bis graublau
  • Homogen
  • keine Vakuolen im Normalfall

Granulation

  • spezifische neutrophile Granula
  • fein, gleichmäßig
  • klarer Unterschied zum Promyelozyten (keine groben Primärgranula)

 

Klinische Bedeutung

Typisches Auftreten bei:

  • schweren bakteriellen Infektionen
  • ausgeprägter Linksverschiebung
  • Sepsis
  • myeloproliferativen Neoplasien
  • Leukämoiden Reaktionen

=> fast immer zusammen mit Metamyelozyten & Stabkernigen

IV. Metamyelozyt

Mikroskopisches Bild

  • mittelgroße bis große Zelle
  • bohnen- oder nierenförmiger Kern
  • keine Segmentierung
  • Kern wirkt kompakt und „schwer“
  • helles Zytoplasma mit feiner Granulation

=> Der Metamyelozyt ist die letzte teilungsunfähige Vorstufe vor dem Stabkernigen

 

Morphologie

Zellgröße

  • ca. 14–18 µm
  • größer als segment- und stabkernige Neutrophile
  • kleiner als typische Monozyten (meist)

Zellkern

  • eingedellt, bohnen- oder nierenförmig
  • keine Kernsegmente
  • keine Chromatinbrücken
  • Chromatin grob, dicht, unregelmäßig
  • keine Nukleolen

Zytoplasma

  • hellrosa bis graublau
  • relativ breit
  • Homogen
  • gelegentlich erste toxische Zeichen möglich

Granulation

  • fein neutrophil
  • deutlicher sichtbar als beim segmentkernigen gleichmäßig verteilt

 

Pathologisch im peripheren Blut

-> Auftreten bedeutet:

  • deutliche Linksverschiebung
  • gesteigerte Knochenmarksaktivität

 

Klinische Bedeutung

Typisches Auftreten bei:

  • schweren bakteriellen Infektionen
  • Sepsis
  • massiver Entzündung
  • Knochenmarksstimulation
  • myeloproliferativen Erkrankungen

meist zusammen mit:

  • vielen stabkernigen
  • toxischer Granulation
  • Döhle-Körperchen

V. Neutrophiler stabkerniger Granulozyt

  • mittelgroße Leukozyten
  • durchgehender, stab- oder hufeisenförmiger Kern
  • keine echte Segmentierung
  • feine, neutrophile Granulation
  • helles, rosagraues Zytoplasma

=> Der Kern wirkt „gezogen“ oder „gebogen“, aber nicht getrennt

 

Morphologie

Zellgröße

  • ca. 12–15 µm
  • vergleichbar mit segmentkernigem Neutrophilen

Zellkern

  • stabförmig, U- oder S-förmig
  • keine Einschnürung bis zur Kerntrennung
  • grobes, dichtes Chromatin
  • keine Nukleolen

Zytoplasma

  • hellrosa bis leicht graublau
  • mäßig breit
  • Homogen
  • keine Vakuolen im Normalfall

Granulation

  • Fein
  • neutral gefärbt
  • gleichmäßig verteilt

 => Grobe, dunkle Granula → toxische Veränderung

 

Klinische Bedeutung

Erhöht bei:

  • akuten bakteriellen Infektionen
  • Entzündungen
  • Stressreaktionen
  • Blutungen
  • beginnender Linksverschiebung

Begriff: Linksverschiebung = vermehrt unreife neutrophile Formen im Blut

Typische pathologische Konstellationen

Kombination aus:

  • stabkernigen ↑
  • toxischer Granulation
  • Döhle-Körperchen

=> starker Infekt / Sepsis-Verdacht

VI. Neutrophiler segmentkerniger Granulozyt

  • mittelgroße Leukozyten
  • mehrlappiger Kern (2–5 Segmente)
  • Segmente durch dünne Chromatinbrücken verbunden
  • helles Zytoplasma mit sehr feiner Granulation

 => Der segmentkernige Neutrophile ist die häufigste Zelle im Differentialblutbild

 

Morphologie (systematische Zellanalyse)

Zellgröße

  • ca. 12–15 µm
  • etwa 1,5–2× so groß wie ein Erythrozyt

Zellkern

  • 2–5 klar getrennte Segmente
  • scharf begrenzte Kernkonturen
  • grobes, dichtes Chromatin
  • keine Nukleolen

Zytoplasma

  • hellrosa bis leicht graublau
  • mäßig breit
  • gleichmäßig gefärbt
  • keine Vakuolen im Normalbefund

Granulation

  • sehr fein
  • neutral gefärbt
  • oft nur bei genauem Hinsehen sichtbar

=> grobe, dunkle Granula → pathologisch (toxisch)

 

Klinische Bedeutung

Erhöht (Neutrophilie)

  • bakterielle Infektionen
  • akute Entzündungen
  • Stress, Kortison
  • Myeloproliferative Neoplasien

Erniedrigt (Neutropenie)

  • Chemotherapie
  • Knochenmarksschäden
  • Virusinfekte
  • aplastische Prozesse

Sonderfall

I. Hypersegmentierter Granulozyt

  • ≥6 Segmente
  • immer pathologisch

 

– Hinweis auf:

  • Vitamin-B12-Mangel
  • Folsäuremangel

II. Agranulation neutrophiler Granuloyten

  • Granulation fehlt oder ist stark reduziert
  • Zytoplasma wirkt blass, leer oder glatt
  • normal segmentierter Zellkern

 

– Hinweis auf:

  • myelodysplatisches Syndrom (MDS)
  • Knochenmarksschäden
  • Chemotherapie

III. Toxische Granulation neutrophiler Granulozyten

  • segmentkerniger & stabkerniger Neutrophiler
  • auffällig grobe, dunkel gefärbte Granula

 

– Hinweis auf:

  • bakterielle Infektion
  • Sepsis
  • schwere Entzündungen
  • Stressreaktionen

IV. Vakuolisierung neutrophiler Granulozyten

  • runde, helle Löcher im Zytoplasma neutrophiler Granulozyten
  • Vakuolen wirken klar begrenzt, unterschiedlich groß & unregelmäßig verteilt

 

– Hinweis auf:

  • schwere bakterielle Infektionen
  • Sepsis

V. Dohle-Körperchen

  • kleine, hellblau-graue Einschlüsse im Zytoplasma neutrophiler Granulozyten
  • meist randständig lokalisiert

 

– Hinweis auf: 

  • bakterielle Infektion 
  • Sepsis
  • Entzündungen
  • Stressreaktionen

Lymphozyten

I. Lymphoblast

  • große, unreife Zelle
  • großer runder Kern
  • feines, lockeres Chromatin
  • deutlich sichtbare Nukleolen

– Hinweis auf:

  • ALL oder lymphoblastische Neoplasien

II. Lymphozyt

  • kleine, kompakte Zelle
  • sehr großer runder Kern
  • Kern nimmt fast die gesamte Zelle ein
  • schmaler, dunkelblauer Zytoplasmasaum
  • keine Granulation

 

Morphologie

Zellgröße

  • ca. 7–10 µm
  • etwa so groß wie ein Erythrozyt
  • kleinster reifer Leukozyt

Zellkern

  • rund bis leicht oval
  • sehr dominant
  • dichtes, grobes Chromatin („krümelig“)
  • keine Nukleolen sichtbar

Zytoplasma

  • sehr schmaler Saum
  • stark basophil (dunkelblau)
  • Gleichmäßig
  • scharf begrenzt

Granulation

  • keine Granula
  • ggf. einzelne feine azurophile Punkte (normal!)

 

Klinische Bedeutung

Lymphozytose bei:

  • Virusinfektionen
  • Keuchhusten
  • chronisch lymphatischer Leukämie
  • Rekonvaleszenz

Lymphopenie bei:

  • Immunsuppression
  • Kortisontherapie
  • schweren Infektionen
  • Stressreaktionen

Sonderfall

I. Neoplastischer Lymphozyt

  • auffällig einheitliches Zellbild
  • auffällige Kernstruktur
  • Zytoplasma variabel
  • häufig Begleitphänomene (z.B. Kernschatten)

 

– Hinweis auf:

  • CLL, ALL, NHL oder lymphoproliferative Erkrankungen

II. Reaktiver Lymphozyt

  • variabel in Form & Größe
  • breites, invasiv basophiles Zytoplasma
  • Zytoplasma kann Erythrozyten umfließen
  • Kern oft unregelmäßig

 

– Hinweis auf:

  • Virusinfektion (EBV, CMV)
  • Hepatitis
  • Impfreaktion

III. Nacktkernige Lymphozyten

= Gumprecht`sche Kernschatten oder Smudge Cells

  • keine intakte Zelle
  • zerfallener/verschmierter Zellkern
  • kein Zytoplasma und keine Granulation

 

– Hinweis auf:

  • hauptsächlich CLL

=> Kernschatten selbst sind nicht krankhaft, sondern ihre Menge und der Kontext

IV. Plasmazelle

  • mittelgroße bis große Zelle
  • exzentrisch gelegener Zellkern
  • speichenradartiges Chromatin
  • intensiv basophiles Zytoplasma
  • perinukleärer Hof (helle Zone um den Kern)

 

– Hinweis auf:

  • starke Immunreaktion
  • Virusinfektion
  • chronische Entzündungen
  • Multiples Myelom
  • Plasmozytom

V. Haarzelle

  • mittelgroße bis große Zelle
  • runder und ovaler Kern
  • unregelmäßiger Zellrand mit feinen Zytoplasma-Ausläufern („Haare“ oder „Fransen“)
  • blass-graublaues Zytoplasma

 

– Hinweis auf:

  • Haarzellleukämie

VI. LGL-Zelle (large granular lymphocyte)

  • runder bis leicht eingebuchteter Zellkern
  • relativ dichtes Chromatin
  • breiteres Zytoplasma
  • auffällige azurophile Granula

 

– Hinweis auf:

  • zytotoxische T-Zelle & NK-Zellen -> !physiologisch!
  • LGL-Leukämie
  • Autoimmunerkrankung

Monozyten

Zellreihe

I. Promonozyt

  • große Zelle
  • unregelmäßiger, oft stark gefalteter Kern
  • feines bis mitteldichtes Chromatin
  • häufig sichtbare Nukleolen
  • grau-blaues Zytoplasma
  • oft Vakuolen vorhanden

 

– Hinweis auf:

  • akute myelomonozytäre Leukämie
  • monozytäre Leukämien
  • Knochenmarkserkrankungen

VII. Monozyten

  • größte normale Leukozytenform
  • großer, weich wirkender Kern
  • Kern häufig nieren-, bohnen- oder gelappt
  • feines, netzartiges Chromatin
  • grau-blaues Zytoplasma
  • oft Vakuolen vorhanden
 

Morphologie

Zellgröße

  • ca. 15–20 µm
  • deutlich größer als neutrophile Granulozyten
  • häufig größer als Myelozyten

Zellkern

  • nieren-, bohnen- oder unregelmäßig gelappt
  • keine Segmentierung
  • feines, lockeres Chromatin
  • keine Nukleolen

Zytoplasma

  • grau-blau („rauchig“)
  • Breit
  • oft ungleichmäßig
  • häufig Vakuolen

Granulation

  • keine echte Granulation
  • evtl. feine azurophile Staubkörnchen

 

Klinische Bedeutung

Monozytose bei:

  • chronischen Entzündungen
  • bakteriellen Infektionen
  • Rekonvaleszenzphase
  • Autoimmunerkrankungen
  • myeloproliferativen Neoplasien

Monozytopenie bei:

  • aplastischen Prozessen
  • Knochenmarksschäden
  • hochdosierter Kortisontherapie

Thrombozyten

Zellreihe

Sonderfall

I. Anisozytose

= unterschiedliche Größen der Thrombozyten im Blutausstrich

  • im gleichen Gesichtsfeld befinden sich sehr kleine, normale & große Thrombozyten

 

– Hinweis auf:

  • myeloproliferative Neoplasien (MPN)
  • Regeneration nach Blutverlust
  • Bildungsstörungen

II. Riesenthrombozyt

  • deutlich größer als normal – fast so groß wie Erythrozyt
  • Ursache: verstärkte Thrombozytenproduktion -> schnelle Freisetzung aus Megakaryozyten -> unvollständig „zerteilte“ Plättchen

 

– Hinweis auf:

  • gesetigerte Thrombopoese
  • nach Blutverlust
  • Immunthrombozytopenie
  • myeloproliferative Neoplasien (MPN)

III. Thrombozytenaggregate

= Ansammlung vieler Thrombozyten

  • wirken wie Haufen oder Klumpen
  • Ursache: EDTA-Unverträglichkeit oder verzögerte Ausstrichherstellung

 

– Hinweis auf:

  • Pseudo-Thrombozytopenie

Erythrozyten

Zellreihe

I. Erythoblasten

  • kleine bis mittelgroße Zelle
  • deutlich sichtbarer, runder Kern
  • Zytoplasma oft rötlich oder blau-rötlich
  • Unterscheidung nach Reifestadien:
  1. basophiler Erythoblast –
  2. polychromatischer Erythoblast –
  3. oxiphiler Erythoblast – 

 

– Hinweis auf:

  • starke Knochenmarksstimulation
  • Hämolyse
  • schwere Anämien
  • Hypoxie
  • myeloproliferative Neoplasien (MPN)

Sonderfall

Zellgröße

I. Anisozytose

= vermehrtes Auftreten unterschiedlich geformter Erythrozyten

  • Erythrozyten im Gesichtsfeld zeigen deutliche unterschiedliche Größen
  • Mischung aus Mikro-, Normo- und Makrozyten

 

– Hinweis auf:

  • Eisenmagelanämie
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Folsäuremangel
  • Mischanämien

=> korreliert mit: RDW ↑

I. a) Mikrozyt

  • deutlich kleiner als Normozyten
  • oft kompakter und dichter
  • Ursache: verminderte Hämoglobinproduktion -> Zellen teilen sich häufiger

 

– Hinweis auf:

  • Eisenmagelanämie
  • Thalassämien
  • chron. Erkrankungen

=> korreliert mit: MCV ↓

I. b) Makrozyt

  • deutlich größer als Normozyten
  • oft zentrale Aufhellung

 

– Hinweis auf:

  • Vitamin-B12-Mangel
  • Folsäuremangel
  • Alkoholabusus
  • Lebererkrankungen

=> korreliert mit: MCV ↑

Zellform

II. Poikilozytose

= vermehrtes Auftreten unterschiedlich geformter Erythrozyten

  • Erythrozyten im Gesichtsfeld zeigen deutliche unterschiedliche Formen
  • Mischung aus Ellipozyten, Target-Zellen usw.

 

– Hinweis auf:

  • Anämien
  • Hämolyse
  • Knochenmarkserkrankung
  • Lebererkrankungen
  • Hämoglobinopathien

II. a) Targetzellen – Codozyte

  • Erythrozyten mit drei Zonen: zentraler dunkler Fleck – helle Zone – äußerer dunkler Ring
  • Ursache: ungleichmäßige Hämoglobinverteilung, durch erhöhtes Verhältnis von Membran zu Hämoglobin

 

– Hinweis auf:

  • Lebererkankungen
  • Thalassämien
  • Hämoglobinopahien
  • Eisenmangel (gelegentlich)

=> Targetzelle + Mikrozytose -> Thalassämie-Verdacht

II. b) Kugelzelle – Sphärozyt

  • kleiner, runder Erythrozyt
  • keine zentrale Aufhellung
  • wirkt dicht und kompakt, wie eine „Kugel“
  • Ursache: Oberfläche ↓, aber Volumina gleich -> Zelle wird kugelförmig

 

– Hinweis auf:

  • hereditärer Sphärozytose
  • autoimmunhämolytische Anämie (AIHA)
  • Hämolyse

=> korreliert meist mit: Retikulozytose, LDH und Bilirubin ↑

II. c) Fragmentozyt – Schistozyt

  • unregelmäßig geformte Zellfragmente – oft dreieckig, helmartig oder zerfetzt
  • kleiner als normale Erythrozyten
  • Ursache: mechanische Zerstörung der Erythrozyten durch Gefäßverengung, Fibrin-Netze und Turbulenzen

 

– Hinweis auf:

  • mikroangiopathischer hämolytischer Anämie (MAHA)
  • disseminierter intravasaler Gerinnung (DIC)
  • mechanische Herzklappen

=> bei starker Merkmalsausprägung Notfall!

II. d) Sichelzelle – Drepanozyt

  • langgezogene, sichel- oder halbmondförmige Zellen
  • oft spitz zulaufende Enden
  • Ursache: Sichelzellanämie – HbS polymerisiert bei O2-Mangel -> Erythrozyten werden starr & verformt

 

– Hinweis auf:

  • Sichelzellanämie & Sichelzellkrankheit

II. e) Elliptozyt – Ovalozyt

  • oval oder länglich geformter Erythrozyt
  • gleichmäßig gestreckt
  • Ursache: Störung des Zytoskeletts der Erythrozyten -> verminderte Stabilität -> elongierte Form

 

– Hinweis auf:

  • hereditäre Elliptozytose
  • Eisenmangelanämie
  • megaloblastäre Anämie
  • Thalassämie

II. f) Echinozyt – Burr-Zelle

  • Erythrozyten mit vielen kleinen, gleichmäßigen Ausstülpungen
  • Zacken regelmäßig verteilt, ähnlich groß & rundlich

 

– Hinweis auf:

  • Nierenerkrankungen
  • metabolische Störunge

=> ABER: häufig Artefakt

II. g) Akanthozyt – Spur-Zelle

  • Erythrozyt mit wenigen, unregelmäßigen Ausstülpungen
  • Zacken sind oft stumpf oder keulenförmig
  • Ursache: Membranveränderung durch Lipidstörung -> veränderte Membranstruktur

 

– Hinweis auf:

  • schwere Lebererkrankungen (z.B. Leberzirrhose)
  • Fettstoffwechselstörungen

II. h) Tränenzelle – Dakrozyt

  • runder Erythrozyt mit spitz auslaufendem Ende
  • Form: „Träne“ oder „Tropfen“
  • Ursache: mechanische Verformung im Knochenmark -> durch Fibrose oder Raumforderungen

 

– Hinweis auf: 

  • Myelofibrose
  • Tumorerkrankungen
  • Knochenmarksinfiltration
  • schwere Anämie

=> ABER: häufig Artefakt, wenn alle Dakrozyten in eine Richtung fließen

II. i) Anulozyt – Ringzelle

  • Erythrozyt wirkt wie ein dünner Ring
  • extrem große zentrale Aufhellung
  • meist mikrozytär
  • Ursache: starker Hämoglobinmangel -> unzureichende Hb-Einlagerung

 

– Hinweis auf: 

  • schwerer Eisenmangel
  • fortgeschrittener Blutverlust

Zellfärbung

III. Polychromasie

= Auftreten unterschiedlich gefärbter Erythrozyten

  • grau-blaue Erythrozyten
  • wirken etwas größer. weniger klar begrenzt und „rauchig“ gefärbt 
  • Ursache: RNA-Reste (blaue Färbung)
  • korreliert mit Retikulozyten => Polychromasie ↑ = Retikulozyten ↑

 

– Hinweis auf:

  • Hämolyse
  • Blutverlust
  • Regeneration nach Anämie
  • Knochenmarksstörungen

Zelleinschlüsse

I. Howell-Jolly-Körperchen

  • Erythrozyt mit kleinem, rundem, dunkelvioletten Punkt
  • meist einzelner Einschuss
  • Kernrest im Erythrozyten
  • Ursache: fehlende oder gestörte Milzfunktion

 

– Hinweis auf:

  • Asplenie (fehlende Milz)
  • Splenektomie
  • schwere oder megaloblastäre Anämie

II. Basophile Tüpfelung

  • Erythrozyt mit vielen kleinen, blau-violetten Punkten
  • ribosomale Einschlusskörper => Zelle wirkt gesprenkeltt
  • Ursache: RNA-/Ribosomreste -> gestörter Abbau -> Akkumulation von Errythrozyten

 

– Hinweis auf:

  • Bleivergiftung
  • sideroblastische Anämie
  • Thalassämien

III.  Cabot-Ringe

  • feine, ring- oder schleifenförmige Strukturen in Erythrozyten
  • oft dünn, fadenartig und violett/blau angefärbt
  • Ring, Schlaufe oder Acht möglich
  • Ursache: gestörte Erythropoese -> Reste des Spindelapparates, Mitose-Strukturen oder DNA/Zytoskelettreste

 

– Hinweis auf:

  • megaloblastäre Anämie
  • Vitamin-B2-Mangel
  • Folsäuremangel
  • Myelodsplasien