Das Blutbild ist eine labormedizinische Untersuchung zur quantitativen und qualitativen Beurteilung der zellulären Bestandteile des Blutes.
Es dient:
- der Basisdiagnostik
- der Verluafskontrolle
- der Therapieüberwachung
- der Früherkennung schwerer Erkrankungen
Man unterscheidet:
- kleines Blutbild
- großes Blutbild (=Differentialblutbild)
I. Kleines Blutbild
Das kleine Blutbild ist eine quantitative Untersuchung der zellulären Blutbestandteile, ohne Differenzierung der Leukozytenarten.
Es untersucht:
- Erythrozytenparameter
- Gesamtleukozytenzahl
- Thrombozytenzahl
Tabelle
Präanalytik
Material:
- EDTA-Vollblut
- korrekte Füllmenge wäre ideal
- sorgfältiges Mischen/Schwenken
- zeitnahe Vermessung (≤4h)
Fehlerquellen:
- Gerinnsel
- lange Stauung
I.I. Erythrozytenzahl (RBC – red blood cells)
- Anzahl roter Blutkörperchen/Erythrozyten
- abhängig von Alter, Geschlecht & Hydratationszustand
Referenz
Hinweise:
- Erythrozytenzahl ↑ -> Polyglobulie
- Erythrozytenzahl ↓ -> Anämie
I.II. Hämoglobin & Hämatokrit
Hämoglobin (Hb)
- Masß für die Sauerstoffkapazität
- wichtigste Anämieparameter
Referenz
Hämatokrit (Hk/Hc)
- Volumenanteil der Zellen am Blut
- abhängig von Erythrozytenzahl & Zellgröße
Referenz
I.III. Erythrozytenindizes
a) MCV (mean corpuscular volume)
- mittlere Erythrozytengröße
- Einteilung in:
- mikrozytär – Referenz
- normozytär – Referenz
- makrozytär – Referenz
b) MCH (mean corpuscular hemoglobin)
- mittlerer Hämoglobingehalt pro Erythrozyt
- Einteilung in:
- hypochrom – Referenz
- normochrom – Referenz
- hyperchrom – Referenz
MCHC (mean corpuscular hemoglobin concentration)
- Hämglobinkonzentration innerhalb der Zelle
- relativ stabil
Referenz
=> ↑ MCHC bei Sphärozytose
RDW (red cell distribution width)
- Größenverteilung der Erythrozyten
- Maß für Anisozytose
Referenz
I.IV. Leukozyten (WBC – white blood cells)
- Gesamtzahl aller weißen Blutkörperchen/Leukozyten
- keine Aussage über Zellarten
Referenz
=> Hinweis auf: Infektionen, Entzündungen & Knochenmarksstörungen
I.V. Thrombozyten (PLT – Platelets)
- Anzahl der Thrombozyten/Blutplättchen
- wichtig für: Blutungs- und Thromboserisiko
Referenz
I.VI. Interprettaion des klinischen Bildes
Tabelle
=> Bei Auffälligkeiten -> großes Blutbild nachfordern und/oder Blutausstrich
Kritische Werte:
- Hb < 5 mmol/l oder 8 g/dl
- WBC < 2 G/L oder > 20 G/L
- PLT < 50 G/L
Zsm – Tabelle kl. BB
II. Großes Blutbild (Differentialblutbild)
- besteht aus dem kleinen Blutbild und dem Differentialblutbild der Leukozyten
Ziel und Bedeutung:
- Abklärung von Leukozytenveränderung
- Infektionsdiagnostik
- Erkennung hämatologischer Systemerkrankungen
- Therapie- & Verlaufskontrolle
Parameter des großen Blutbildes
- alle Parameter des kleinen Blutbildes
- Differenzierung der Leukozyten
- neutrophile Granulozyten
- eosinophile Granulozyten
- basophile Granulozyten
- Lymphozyten
- Monozyten
Tabelle – Referenzzelltypen
II.I. Automatisches Differentialblutbild
Messprinzipien:
- Durchflusszytometrie
- Streulichtanalyse
- Impendanzmessung
Vorteile:
- schnell, standardisiert & hohe Präzision
Grenzen:
- atypische Zellformen
- unreife Zellen
- Zellaggregate
II.II. Manuelles Differentialblutbild
Das manuelle Differentialblutbild (man. Diff.) ist dir mikroskopische Auszählung und morphologische Beurteilung der Leukozyten im Blutausstrich.
Ziele:
- qualitative Zellbeurteilung
- Erkennen pathologischer Zellformen
- Absicherung bzw. Ergänzung automatisierter Ergebnisse
- Erkennung lebensbedrohlicher Befunde
=> Goldstandard bei auffälligen oder unklaren Blutbildern
Mögliche Indikationen für ein man. Diff.:
- Geräte-Flags (z.B.: Blasts, VarLym, …)
- extreme Leukozytenwerte
- hämatologische Erkrankungen
- auffällige Zellmorphologie
- niedrige Hämoglobinwerte
- Neuaufnahmen mit pathologischen Blutbildwerten
- Neugeborene
Material:
- EDTA-Vollblut
- Ausstrich innerhalb 2-3h nach Blutentnahme
Fehlerquellen:
- Gerinnsel
- alte Proben
- fehlende Durchmischung (Vollblut mit Antikoagulanz-EDTA im Röhrchen)
- Hämolyse
III. Herstellung Blutausstrich
Ausstrichtechnik:
- Keil – oder Schiebeverfahren
- Winkel ca. 30-45°
- gleichmäßiger Druck
Qualitätsmerkmale:
- zungen- oder fahnenförmig
- gleichmäßig auslaufend
- keine Riefen oder Löcher
Beurteilungszone („Fahne“)
- Zellen liegen einzeln
- Erythrozyten berühren sich leicht
- keine Überlagerungen
=> NUR HIER WIRD GEZÄHLT
Färbung
Standard:
– Pappenheim-Färbung
- May-Grünwald – Färbe- & Fixationsmittel
- Giemsa – wasserbasiertes Färbemittel
Färbeprinzip:
- saure & basische Farbstoffe
- Darstellung von: Zellkern, Zytoplasma & Granula
Vorgehen – Zählung
Anzahl:
- mind. 100 Leukozyten
- bei Auffälligkeiten (Leuko > 50 Gpt/L): 200 Leukozyten
- bei niedriger Leukozytenzahl/WBC (Leuko <2 Gpt/L): “ oder mehr Ausstriche anfertigen
Vorgehen:
- Zählmethode – linear
- konsequente Systematik
- jede Zelle nur einmal zählen
! Bei Neugeborenen & Säuglingen greifen andere Normwerte, wie z.B. höhere Lymphoyztenanteile. Zudem ist eine physiologische Linksverschiebung möglich, sowie Erythoblasten bei Neugeborenen!
=> bei Patient*innen mit sehr niedrigen WBC-Werten gerne Absprachen mit Ärzt*innen tätigen über die Notwendigkeit eines manuellen Differentialblutbildes -> meist immunsuprimierte Patienten oder Chemopatienten (bekannte Diagnose)